Schlaflos in Kell - Zeltlager 2004 in den »Köhlerhütten«

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»Nun ruhen alle Wälder, Vieh, Menschen, Städt und Felder, Es schläft die ganze Welt« - aber nicht mehr lange. Denn soeben hat sich der Oberköhler von der Seite auf den Rücken gewälzt. Gleich wird die Köhlerhütte unter schnaufendem Sägen erbeben. Die anderen Köhler werden aus ihren Betten fallen, halbnackt und schlaftrunken ins Freie hasten, die Hände gegen die Ohren gepresst. Und dann werden sie wissen: Gehet nie, niemals! mit dem Oberköhler in dessen Hütte - oder es wird Euer Verderben sein!

 

Ja, das Schnarchen ist ein gefährliches Ding. Insbesondere wenn es unserem werten Herrn Vorsitzenden aus der Nase kriecht. Nicht genug, dass er eben noch alle beim nächtlichen Knobeln abgezockt hat. Jetzt klaut er einem noch mit seiner Sägerei den Schlaf. Und hier ist nicht von handelsüblichem Schnarchen, Schnaufen, Japsen oder einfach nur laut »atmen« die Rede. Eher von...äh,...nun, um dieses Getöse zu beschreiben, fehlen dem Verfasser dann doch die Worte. Selbiger jedoch hatte sich jedoch ebenfalls der gefährlichen Körperverletzung schuldig gemacht. Auf der Flucht vor dem eben erwähnten Getöse, fand er in der Damenköhlerhütte Unterschlupf. Nur, um die Damen dann seinerseits durch geräuschvolles Luftholen um die wohlverdiente Ruhe zu bringen. Dazu fällt dem Verfasser nur eines ein: »Es tut mir aufrichtig Leid.«

Schlaf gab es in Kell am See (hinter den sieben Bergen) auch ohne Schnarchen reichlich wenig. Wie das halt so ist, wenn die Niederlosheimer Musiker ins Zelt-, respektive ins Köhlerhüttenlager fahren. Doch nicht genug damit, dass sich die Musiker wie üblich gegenseitig vom Schlafen abhalten. Dieses Jahr mussten auch Außenstehende dran glauben, wie Armin, unser Administrator, per E-Mail berichtete: »Sonntags mittags in Niederlosheim kam mein Bruder hämisch grinsend an und fragte, warum ich ihn nachts um halb drei auf dem Handy angerufen hätte. Da hab ich erst mal dumm aus der Wäsche geguckt.« Armin hatte sein Handy in der Hosentasche und keine Tastensperre eingeschaltet. »Da hat sich nachts irgendwie ein Anruf an meinen Bruder ausgelöst und der Sack hat uns eine ganze Zeit lang bei unseren hochgeistigen beziehungsweise -prozentigen Diskussionen zugehört.«

Die Nächte waren also recht kurz. Insbesondere für Nachtvogel Thomas Finkler, der bezeichnender Weise in der Hütte mit Namen »Eule« nächtigte. Doch auch ihm gelang es nicht die Probe (ja, tatsächlich!) zu verschlafen. Dafür sorgte schon Lukas, der auf der Posaune zu jedem Morgen und zu jeder Mahlzeit das jüngste Gericht verkündete.

Zu dem es glücklicherweise nie kam, was wir Beate zu verdanken haben. Es sollen ja schon Leute in Zeltlagern elend verreckt sein - an Schwenkbraten-Skorbut. Wir jedoch hatten die Niederlosheimer Lea Linster mit an Bord, was sich selbstverständlich auf die Vergleichbarkeit der Kochkünste und nicht des Gewichts bezieht. Reichlich, vorzüglich, asiatisch - da kann der Verfasser seinen lächerlichen Nudelsalat vergessen. Was dieser auch getan hat. Glücklicherweise hat der große Vorsitzende nicht nur geschnarcht, sondern ist auch den vergessenen Salat holen gefahren.

So hatte man am Ende des Zeltlagers trotz Fuß- und Federball mindestens ein Kilo zugelegt, gegeneinander debattiert und zusammen musiziert, geknobelt und gesägt (Mürres: »Ich schnarche doch nicht!«) - also einfach mal drei schöne Tage gehabt. Trotz des miesen Wetters, oder gerade deswegen. Doch alles hat ein Ende und so fand man endlich Ruhe - im eigenen Bett. Kein Köhler und kein Mürres. Nur Stille.

»Nun geht, ihr matten Glieder, Geht hin und legt euch nieder, Der Betten ihr begehrt.« Gute Nacht.

Harald Klauck