Schlittschuhlaufen und andere Nebensächlichkeiten

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Der alte Odysseus hatte es auf seiner Odyssee zugegeben nicht gerade leicht: Ständig die falsche Strömung, mordende Zyklopen, Skylla hier, Charybdis da, die Ohren voll vom Geheul der Sirenen.

"Gehen wir doch gleich zu McDonald's!" war damals noch keine wirkliche Alternative und Odysseus hatte auch keinen Edmund Heinz dabei, der seine nörgelnde Mannschaft mit der ihm eigenen Gelassenheit im Zaum gehalten hätte.

Der antike Held hatte gegenüber dem modernen Irrfahrer einen entscheidenden Vorteil: Er hatte weder Lisa Schumacher noch Phillip Thiel im Beiboot und schon gar nicht beide zusammen. Außerdem hat der olle Odysseus sich ja freiwillig an den Mast binden lassen, um den verführerischen Klängen der Sirenen zu lauschen, wobei man sich jetzt nicht das Ding auf dem Dach des Proberaums vorstellen darf oder den fensterzerfetzenden Sopran der Lisa Schumacher.

Doch auch Odysseus kam irgendwann mal in Attika an. Nur hat Attika das ganze Jahr geöffnet, die Eislaufhalle in Remich leider nicht. "Wir öffnen wieder im Oktober" stand da auf einem Schild an der grünen Drehtür. Im Auto üben sich pubertierende Jugendliche an einem gepflegten Streitgespräch, die Sonne verschwindet auf der anderen Moselseite und weit und breit kein Edmund Heinz!

Dieser hatte es vorgezogen, mit seinem Tross Richtung McDonald's abzuziehen. Der Hunger macht halt wahnsinnig und dann erinnert man sich auch an keine Verabredungen mehr. Wahnvorstellungen ergreifen dann die Seele des Jugendbetreuers und der Parkplatz vor der Eislaufhalle wird dann der Parkplatz vor der Burgerbude. Irgendwie hat man sich dann doch wieder gefunden und nach mehreren sinnlosen und -vollen Telefonaten beschlossen, in die Eislaufhalle nach Dillingen auszuweichen.

Die Reise zurück ins Saarland verläuft ohne Zwischenfälle. Zügig kommt man durch und steht eine halbe Stunde später vor der Eislaufhalle. "Bis 22 Uhr geöffnet" steht an einem Schild vor der diesmal gelben Drehtür, die Sonne an der Saar ist schon längst ins Bett. Nur eines bleibt gleich: Weit und breit kein Edmund Heinz! Die frierenden Jungmusikanten zählen die Minuten, fühlen sich allein gelassen von ihrem Betreuer, ihrem Vorbild, dem Mann mit der Kohle. In einer Mülltonne wird Feuer gemacht, um die aufgeplatzten wunden Finger zu wärmen, aus der Ferne spielt irgendein Sadist Mundharmonika. Viele haben bereits mit dem Leben abgeschlossen, da ertönt ein vertrautes Keilriemen-Quietschen. Edmund Heinz! Man schleppt sich mit letzter Kraft zur Eingangstür. Endlich am Ziel, nach einer langen und qualvollen Reise, von den Göttern verraten, vom Schicksal gepeinigt.

Aber immerhin hat man billig getankt.

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