Fösendzuuch 2005 - Am liebsten blutig!

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In den Zeilen rund ums Sommerfest 2004 und über Meister Eddis scharfer Currywurst flossen noch Speichel und Tränen. Der Katalog fließender Flüssigkeiten kann nun nach dem Fösendzuuch um eine weitere erweitert werden - und das haben wir wieder einmal unserem Köhler- und Vereinsoberhaupt zu verdanken. Der ein oder andere Leser mag sich nun schon erschaudert von der weiteren Lektüre abwenden wollen. Angesichts dessen, was da an Ekligkeiten vor seinem geistigen Auge hin- und herschwappt. Aber er kann beruhigt werden, es geht nur um Blut.

 Um das des Präsidenten also. Wie kam es aber dazu? Nun, da muss der Verfasser etwas ausholen und ganz von vorne anfangen. Und zwar da, wo er immer anfängt, wenn Fösend ist: Beim Trommelclown. Unglaublich und doch wahr, alles hat mal ein Ende, »nur die Wurst hat zwei«. Und so hatte Eddi in diesem Jahr tatsächlich ein schönes Gefährt für seine dicke Trommel (also sein Instrument) dabei. Keine Hektik um 14 Uhr 11, kein »et äs jeed Joa dattselwe mätt demm Käll«, kein Bandscheibenvorfall. Eine 203 Jahre alte Tradition (siehe Bericht 2004) findet also hier ihr Ende.

Liebe Leser, bitte nicht traurig sein: »Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe, bereit zum Abschied sein und Neubeginne«. Das weiß auch unser Eddi und hat sich eine neue Teufelei ausgedacht. Mit blutigen Folgen. »Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne« mag er sich gedacht haben, als er seine Mitmusiker Höhe »Metzgerei Endres« zum ersten Mal die Macht der Dicken Trommel spüren ließ. Kaum hatten alle aufgehört zu spielen, fing unser Eddi wieder an: mit dem »Locken« - dem marschmusikalischen Befehl, nach ein paar Trommelschlägen mit dem nächsten Stück anzufangen.

Weil dieses Kommando absolut verbindlich ist und man dem gut gelaunten Eddi nur selten schnell genug in die Parade fahren konnte, ging's unter Wehklagen die Wahlener Kupp hinauf und unter Maulerei wieder hinab. Kaum war der Schlussakkord verklungen, ging's wieder von vorne los. Getrieben wie Galeerensklaven, ruderten die Musiker im und aus dem Takt. »Bum, Bum, Bum, Bum« dem rettenden Ufer zu: Dort zwischen den Dörfern, wo wenig Häuser und folglich weniger Fösend-Interessenten stehen, würde er doch wenigstens mal Pause machen.

Dachte man.

Alle kennen Eddi und Eddi erkennt alle - bei jeder Blutalkoholkonzentration. So machte er noch in jedem versprengten Grüppchen am Straßenrand einen entfernten Bekannten aus und mit »die Hände zum Himmel« glücklich. So war die »Cäcilia« eingangs Niederlosheim schon ziemlich aus der Puste und von dem berühmten »Ansatz«, den der ein oder andere Musiker mal gehabt haben soll, nur noch wenig übrig. Aber jetzt hieß es vor heimischer Kulisse noch mal alles zu geben, die letzten Kräfte zu mobilisieren, zu ackern, zu kämpfen bis aufs Blut.

So liebe Leser, jetzt nur noch eins und eins zusammenzählen, schon haben wir die erste Pointe der Geschichte: Jenes metaphorisch gemeinte Fußballtrainergeschwafel muss unserem Präsidenten zu Kopf gestiegen und aus dem Mundstück gelaufen sein. Anders ist die ganze Sauerei auf Kinn und Kittel nicht zu erklären. Es war jedenfalls kein Schuss zu hören. Und der Präsident hat die geschmeidigsten Lippen überhaupt!

Nachdem unser Mürres Blut geleckt hatte wurde er nicht eingeschläfert, sondern trieb seine Mannen und Frauen weiter die Wendalinusstraße hinauf, in das Zentrum der fastnachtlichen Ekstase, Ecke Spedition Rippinger Karl. Angeführt vom unerschrockenen und listenreichen Kommandanten Thomas Weber zogen die Mannen und Frauen in die Schlacht um die Gunst des Niederlosheimer Fachpublikums. Ein Himmelfahrtskommando, angesichts der trostlosen Steifigkeit, mit der die »Cäcilia« früherer Tage nur die Fösendmuffel in Entzückung versetzt hatten.

Doch nicht nur die Wurst hat zwei Enden, sondern auch diese Rosenmontagsgeschichte: Nachdem die Musiker in den letzten beiden Jahren schon merklich lockerer, um nicht zu sagen »brasilianisch« aufgetreten waren, setzten sie diesmal noch einen drauf: Sie sangen. Nicht schön, aber laut, gut gelaunt und nicht die Karnevalshits von 1945. Das scheint der Grund gewesen zu sein, warum einem abends am Tresen alle Zuuchbesucher auf die Schulter klopften und mit dem Clown einen trinken wollten. Der andere Grund könnte vielleicht sein, dass der Musikverein in der Halle ohne Murren etwa 111 Zugaben spielte, so die Spaßgesellschaft am Leben hielt und die Karnevalsoberen glücklich machte. Wer weiß?

Viel wahrscheinlicher ist jedoch, dass es ein Trommelclown war, der trotz Widerständen immer wieder »lockte« und so noch das letzte versprengte Grüppchen am Straßenrand mit »die Hände zum Himmel« glücklich gemacht hatte... mein lieber Herr Musikverein: Fast möchte man meinen, die Clowns hätten sich ihre Kostüme verdient.

Harald Klauck